Wie man im vorherigen Blogeintrag sehen kann, plädiert der Wissenschaftler Leo A.Nefiodow vor allem für die Basisinnovation „Psychosoziale Gesundheit“ im 6. Zyklus. Nun werden wir uns die Thematik näher betrachten. Wie entsteht eine Basisinnovation, und welche Phasen sind nötig, damit sich eine Basisinnovation durch die Gesellschaft dringt und zum Motor der Wirtschaft wird?

„Am Anfang einer Basisinnovation steht oft eine Idee oder ein Traum, etwas, das begeistert oder aufbegehren lässt und das neue Wege öffnet und alte Welten abstürzen lässt. Basisinnovationen treten zumeist in Gruppen oder Bündel auf; bisher löste jede bedeutende Innovation Dutzende von Folgeinnovationen aus. Die Dominanzdauer einer derartigen Gruppe von Basisinnovationen beträgt etwa 50-70 Jahre. Am Ende werden Basisinnovationen wirtschaftlich vergleichsweise unwichtig oder verschwinden gänzlich. Dabei kommt es fast immer zu ausgedehnten Wirtschaftskrisen mit hoher Arbeitslosigkeit – kreative Zerstörung – bevor etwas Neues wieder Einkommen und Vollbeschäftigung bewirkt.“ (Grossmann, 2001, S. 32).

Die sieben Phasen einer Basisinnovation

  • Phase 1: Invention

Zu der ersten Phase gehört die Invention. Dies sind meist skurrile und verrückte Erfindungen.

  • Phase 2: Innovation

In dieser Phase wird aus der Erfindung ein nützliches und brauchbares Produkt. Diese Phase ist von grosser Bedeutung, denn sie bestimmt welche Erfindungen zu einem Produkt schaffen und welche als untauglich deklariert werden. Meist wird in dieser Phase viel investiert und noch kein Gewinn mit dem Produkt erzielt.

  • Phase 3: Gesicherte Fertigung neuer Produkte

In dieser Phase werden mit dem Produkt niedrige Gewinne erzielt und es entstehen weitere begleitende Basisinnovationen. Dadurch werden viele Arbeitspersonen gesucht, welche dazu beitragen das Neue weiter zu entwickeln und auszubreiten.

  • Phase 4: Massive Expansion, ausgedehnte Fertigung

Wichtige Voraussetzungen werden in dieser Phase geschaffen, um die neuen Produkte zu expandieren.

  • Phase 5: Ausgereifte Wirtschaft

In dieser Phase erfolgt die Reifephase mit Marktsättigung. Die erstmals neuen Produkte sind vertraut. Es kommt zu grosser Konkurrenz und viele Stellen müssen wegen der Rationalisierung abgebaut werden.

  • Phase 6: Globale Konkurrenz

In dieser Phase kommt es zu regionaler Zusammenarbeit zwischen Managern, Politiker und Gewerkschaften, um im globalen Konkurrenzkampf zu bestehen. Innovationen und jegliche gefährliche Störungen werden vermieden, um nicht gegen die Konkurrenz zu verlieren. Dies hat zur Folge, dass weitere Basisinnovationen unterdrückt werden.

  • Phase 7: Maximaler Gewinn, sklerotische Phase

In dieser letzten Phase sind die Märkte und das Produkt gut bekannt und es wird weiterhin rationalisiert. Aus diesen Gründen ist zu Beginn dieser Phase der Gewinn sehr hoch. Jedoch ist die Investition in einer neuen Basisinnovation meist billiger als das bereits bekannte Produkt weiter zu entwickeln. Am Ende dieser Phase werden die Gewinne meist nicht mehr mit dem Ausgangsprodukt erzielt, sondern mit später dazugekommenen Ausstattungen und Ausrüstungen. So können Produkte wirtschaftlich verschwinden und relativ bedeutungslos werden.

Quelle: Grossmann, Wolf Dieter (2001): Entwicklungsstrategien in der Informationsgesellschaft. Mensch, Wirtschaft und Umwelt. Berlin: Springer-Verlag.

Dem Kondratieffzyklus http://www.kondratieff.net/ kann man entnehmen, dass die Basisinnovation des 5. Zyklus die Informationstechnologie ist. Die wichtige Frage ist nun, in welcher Phase sich diese Basisinnovation, mit all den begleitenden Basisinnovationen, befindet. Ist die Informationstechnologie schon am Ende der 7. Phase?

Gemäss Händeler kann die Informationstechnik als Basisinnovation definiert werden, jedoch ist die ganze „Multimedia keine Basisinnovation, sondern nur ein derzeit wachsendes Segment im insgesamt sich abschwächenden IT-Markt […]. Ob wir uns in einem langen Aufschwung befinden oder in einem Abschwung, hängt davon ab, ob die aktuelle Basisinnovation gerade für steigende Gewinnspannen sorgt oder ihre Kraft so gering wird, dass der Markt die Gewinne schneller runterkonkurriert, als sie zusätzliche Produktivität generiert.“

Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/17/17642/1.html [Stand: 10.04.2008].