Als ich angefangen habe mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, stand bei mir immer ein Aspekt im Mittelpunkt. Um der Frage näher zu kommen, scheint mir besonders wichtig zu erkennen, welche Bedürfnisse die Menschen haben. Welche werden von der Informationsgesellschaft befriedigt und welche nicht? Die Auseinadersetzung mit Kritiken zur Informationsgesellschaft und die Kondratiefftheorie nach Nefiodow, sowie auch das Kennenlernen von verschiedenen Visionen, gab mir ein relativ eindeutiges Bild, was nach der Informationsgesellschaft kommen könnte. Es spricht vieles dafür, dass die Bedürfnisse der Menschen der Informationsgesellschaft im Bereich Gesundheit liegen.

Gesundheit ist zwar nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts. (Arthur Schopenhauer)

Da in unserer Informationsgesellschaft alle Grundbedürfnisse befriedigt sind, rückt die Gesundheit ins Zentrum der Gesellschaft. Die Gesundheit wird zum wichtigsten Bedarfsfeld. Es sprechen einige Gründe für diese kommende Entwicklung. Mehr als 1,5 Milliarden Menschen leiden unter psychischen Störungen. Diese gewaltige Zahl verursacht hohe Kosten im Gesundheitswesen. Die Wirtschaft würde einen gewaltigen Konjunkturschub erleben, wenn diese Kosten reduziert werden könnten.

Voraussetzungen für eine stabile Gesundheit sind vor allem folgende Punkte:

Stabiles Selbstwertgefühl, ein positives Verhältnis zum eigenen Körper, Freundschaft und soziale Beziehungen, eine intakte Umwelt, sinnvolle Arbeit, gesunde Arbeitsbedingungen, ein ausreichendes Gesundheitswissen und der Zugang zur Gesundheitsversorgung.

Ich denke, wenn wir über einer stabilen Gesundheit verfügen, dann können wir auch kreativer sein im Leben. Die Gesundheit wäre die Grundlage für viele Visionen, die die Kreativität in der kommenden Gesellschaftsform ins Zentrum stellen.

Wir verwechseln Innovation immer noch mit dem Erfinden spektakulärer Dinge. Aber die Leute wollen überhaupt keine neuen Dinge mehr. Sie wollen funktionierende, elegante Systeme, die ihnen ermöglichen, das zu tun, was Menschen eigentlich am besten können: Kreativ sein. (Matthias Horx)

Quelle: http://www.psychosoziale-gesundheit.net/seele/psychosozial.html [Stand: 29.04.2008].

Wie man im vorherigen Blogeintrag sehen kann, plädiert der Wissenschaftler Leo A.Nefiodow vor allem für die Basisinnovation „Psychosoziale Gesundheit“ im 6. Zyklus. Nun werden wir uns die Thematik näher betrachten. Wie entsteht eine Basisinnovation, und welche Phasen sind nötig, damit sich eine Basisinnovation durch die Gesellschaft dringt und zum Motor der Wirtschaft wird?

„Am Anfang einer Basisinnovation steht oft eine Idee oder ein Traum, etwas, das begeistert oder aufbegehren lässt und das neue Wege öffnet und alte Welten abstürzen lässt. Basisinnovationen treten zumeist in Gruppen oder Bündel auf; bisher löste jede bedeutende Innovation Dutzende von Folgeinnovationen aus. Die Dominanzdauer einer derartigen Gruppe von Basisinnovationen beträgt etwa 50-70 Jahre. Am Ende werden Basisinnovationen wirtschaftlich vergleichsweise unwichtig oder verschwinden gänzlich. Dabei kommt es fast immer zu ausgedehnten Wirtschaftskrisen mit hoher Arbeitslosigkeit – kreative Zerstörung – bevor etwas Neues wieder Einkommen und Vollbeschäftigung bewirkt.“ (Grossmann, 2001, S. 32).

Die sieben Phasen einer Basisinnovation

  • Phase 1: Invention

Zu der ersten Phase gehört die Invention. Dies sind meist skurrile und verrückte Erfindungen.

  • Phase 2: Innovation

In dieser Phase wird aus der Erfindung ein nützliches und brauchbares Produkt. Diese Phase ist von grosser Bedeutung, denn sie bestimmt welche Erfindungen zu einem Produkt schaffen und welche als untauglich deklariert werden. Meist wird in dieser Phase viel investiert und noch kein Gewinn mit dem Produkt erzielt.

  • Phase 3: Gesicherte Fertigung neuer Produkte

In dieser Phase werden mit dem Produkt niedrige Gewinne erzielt und es entstehen weitere begleitende Basisinnovationen. Dadurch werden viele Arbeitspersonen gesucht, welche dazu beitragen das Neue weiter zu entwickeln und auszubreiten.

  • Phase 4: Massive Expansion, ausgedehnte Fertigung

Wichtige Voraussetzungen werden in dieser Phase geschaffen, um die neuen Produkte zu expandieren.

  • Phase 5: Ausgereifte Wirtschaft

In dieser Phase erfolgt die Reifephase mit Marktsättigung. Die erstmals neuen Produkte sind vertraut. Es kommt zu grosser Konkurrenz und viele Stellen müssen wegen der Rationalisierung abgebaut werden.

  • Phase 6: Globale Konkurrenz

In dieser Phase kommt es zu regionaler Zusammenarbeit zwischen Managern, Politiker und Gewerkschaften, um im globalen Konkurrenzkampf zu bestehen. Innovationen und jegliche gefährliche Störungen werden vermieden, um nicht gegen die Konkurrenz zu verlieren. Dies hat zur Folge, dass weitere Basisinnovationen unterdrückt werden.

  • Phase 7: Maximaler Gewinn, sklerotische Phase

In dieser letzten Phase sind die Märkte und das Produkt gut bekannt und es wird weiterhin rationalisiert. Aus diesen Gründen ist zu Beginn dieser Phase der Gewinn sehr hoch. Jedoch ist die Investition in einer neuen Basisinnovation meist billiger als das bereits bekannte Produkt weiter zu entwickeln. Am Ende dieser Phase werden die Gewinne meist nicht mehr mit dem Ausgangsprodukt erzielt, sondern mit später dazugekommenen Ausstattungen und Ausrüstungen. So können Produkte wirtschaftlich verschwinden und relativ bedeutungslos werden.

Quelle: Grossmann, Wolf Dieter (2001): Entwicklungsstrategien in der Informationsgesellschaft. Mensch, Wirtschaft und Umwelt. Berlin: Springer-Verlag.

Dem Kondratieffzyklus http://www.kondratieff.net/ kann man entnehmen, dass die Basisinnovation des 5. Zyklus die Informationstechnologie ist. Die wichtige Frage ist nun, in welcher Phase sich diese Basisinnovation, mit all den begleitenden Basisinnovationen, befindet. Ist die Informationstechnologie schon am Ende der 7. Phase?

Gemäss Händeler kann die Informationstechnik als Basisinnovation definiert werden, jedoch ist die ganze „Multimedia keine Basisinnovation, sondern nur ein derzeit wachsendes Segment im insgesamt sich abschwächenden IT-Markt […]. Ob wir uns in einem langen Aufschwung befinden oder in einem Abschwung, hängt davon ab, ob die aktuelle Basisinnovation gerade für steigende Gewinnspannen sorgt oder ihre Kraft so gering wird, dass der Markt die Gewinne schneller runterkonkurriert, als sie zusätzliche Produktivität generiert.“

Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/17/17642/1.html [Stand: 10.04.2008].

Der Gründer der Theorie

Der russische Wirtschaftswissenschaftler Nikolai Kondratjew veröffentlichte im Jahre 1926 seinen Aufsatz „Die langen Wellen der Konjunktur“. In diesem Aufsatz stellt er die Theorie zur zyklischen Wirtschaftsentwicklung auf. Heute ist seine Theorie unter dem Begriff Kondratieffzyklen bekannt.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kondratieff [Stand: 05.04.2008].

Der 6. Kondratieff

Diese Graphik zeigt eine mögliche Darstellung der Zyklen nach Leo A. Nefiodow. Gemäss dieser Graphik befinden wir uns bereits im 6. Zyklus, in welchem die Basisinnovationen im Bereich der Gesundheit sind. Das heisst, dass das „Produkt“ Gesundheit ein knappes Gut ist in unserer Gesellschaft.

Auch der Wissenschaftler Erik Händeler beschreibt in seinem Buch „Kondratieffs Welt“ den 6. Zyklus als den Kondratieff der Gesundheit. Er berichtet über das neue Gesundheitssystem, welches das Ziel anstrebt Krankheiten zu vermeiden und nicht die Zivilisationskrankheiten, welche von unserem ungesunden Lebensstil verursacht werden, zu heilen. Das neue Gesundheitssystem setzt sich vor allem auch für die seelische und geistige Gesundheit ein. Dies sind die Voraussetzungen damit die Gesundheit zu Wachstumsmotor der Wirtschaft wird. (Händeler, Erik (2005): Kondratieffs Welt. Wohlstand nach der Industriegesellschaft. Moers: Brendow Verlag).

Die Entstehung der Zyklen

Ein Beispiel von Erik Händeler:

Jede Produktionsweise stößt einmal an ihre Grenzen. Irgendwann ist ein Faktor so knapp, dass weiteres Wachstum zu teuer ist, sich also ökonomisch nicht mehr rentiert. Beispiel: Als eine Dampfmaschine einen mechanischen Webstuhl antrieb, war er zuerst um den Faktor 200 produktiver als ein Spinnrad (also nicht um 200 Prozent, sondern 200 Mal so produktiv). Textilien wurden viel billiger, die Bevölkerung konnte mehr erstehen. Ressourcen wurden frei, die gewaltigen Investitionen (Bergwerke, Kanäle) zu finanzieren, aber auch, um neue Bedürfnisse zu erschließen. Die Investitionen steigerten mit der Produktivität auch die Unternehmensgewinne, so dass sich die gestiegenen Kapitalkosten gut bezahlen ließen. Irgendwann jedoch war der Transport von Kohle, Erz und Industriegütern zu teuer – es gab ein neues Knappheitsfeld, das weiteres Wachstum verhinderte.“

Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/17/17642/1.html [Stand: 05.04.2008].

Anhand von diesem Beispiel sieht man, dass „der Motor der Wirtschaft in den Verbesserungen des realen Lebens [ist], die den Menschen Zeit und Kraft sparen, um etwas anderes anzufangen – so entstehen rentable Arbeitsplätze und mehr Wohlstand.“ (Händeler, 2005, S. 8).

Für Händeler ist Arbeit das Lösen von Problemen. Er meint die heutige hohe Arbeitslosenquote habe nichts zu tun mit der hohen Produktivität, welche wir Menschen (auch durch den Einsatz von Maschinen) haben. Die Arbeitslosigkeit entsteht durch die uneffiziente Weise aktuelle Probleme zu lösen. In der heutigen Informationsgesellschaft ist vor allem der Umgang mit Informationen das zu lösende Problem. Unternehmen, die eine effiziente Informationsarbeit leisten, werden überleben, die andern werden vom Markt verschwinden. Umgang mit Informationen ist für Händeler gleichzusetzen mit Umgang mit Menschen. Darum wird auch die soziale Kompetenz zunehmend wichtiger. (Händeler, 2005).

Fazit von Händeler:

Zwar warten jetzt die meisten immer noch auf materielle Erfindungen wie früher die Dampfmaschine, um die Wirtschaft anzutreiben. Sie hoffen darauf, das bekannte Erschöpfte durch etwas ersetzen zu können, in dem auch irgendwie das Wort „-Technologie“ vorkommt. Doch es wird in Zukunft keine Maschine mehr geben, die unsere Gedanken produktiver macht. Was an Hardware zu dem nächsten Aufschwung beitragen wird – Gentechnik, Nanotechnologie in der Medizintechnik, andere materielle Gesundheitsinvestitionen – sind nur das dienende Drumherum um die größte Knappheit: intelligente, unstrukturierte, kooperative Informationsarbeit und ihre produktive Lebensarbeitszeit.“

Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/17/17642/1.html [Stand: 05.04.2008].

Weiteres Vorgehen

Im nächsten Blog werde ich mich mit dem Thema der Basisinnovation auseinadersetzen.

Die Informationsgesellschaft ist aus verschiedenen Gesichtspunkten zu sehen. An der HTW Chur werden folgende vier Sichten gelehrt (kurze Zusammenfassung)

  • Die technische Sicht: Computer, technisch bestimmte Kommunikation und Multimedia sind in der Gesellschaft allgegenwärtig und die maschinelle Informationsverarbeitung wird immer breiter eingesetzt.
  • Die ökonomische Sicht: Informationsbezogene Arbeiten machen den grössten Teil des Bruttosozialprodukts aus und bilden die meisten Arbeitsplätze.

Information als vierter Sektor Auszug: Rürup, Bert / Sesselmeier, Werner 2001: Wirtschafts- und Arbeitswelt. In: Korte, Karl-Rudolf / Weidenfeld, Werner: Deutschland Trendbuch. Fakten und Orientierungen, Opladen: Leske+Budrich, S. 250f.

Zur Zeit findet eine ökonomische und technische Revolution statt, in der die Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK-Technologien) eine Schlüsselrolle einnehmen. Heute werden bereits mehr als 50 Prozent der Arbeitsplätze durch IuK-Techniken deutlich geprägt, und dieser Einfluss wird auch noch weiter zunehmen. Um die Entwicklung zu veranschaulichen, wird das klassische Drei-Sektoren-Modell um einen vierten Sektor ergänzt, in dem alle Informationstätigkeiten zusammengefasst werden. Diese Vier-Sektoren-Hypothese wird heutzutage auch von der OECD favorisiert, da der Informationssektor eine relativ einfache Kenngröße zum Vergleich von Volkswirtschaften bis hinunter zur regionalen Ebene ist. Die Entwicklung des Informationssektors bis hin zum Jahr 2010 untermauert eindrucksvoll den Trend des Strukturwandels in Richtung Informationsgesellschaft. Nach ihr werden im Jahr 2010 bereits 55 Prozent der Beschäftigten im Informationssektor zu verzeichnen sein. Man spricht hier auch von Informatisierung der Arbeitswelt.

Quelle: http://www.schader-stiftung.de/gesellschaft_wandel/442.php#information [Stand: 30.03.2008].

Siehe dazu auch die drei Ansätze zur Festlegung des Informationssektors von Fritz Machlup, Marc Porat und Charles Jonscher

  • Die gesellschaftliche, kommunikative Sicht: Formen der computerbasierten Kommunikation ersetzten immer mehr die klassische Kommunikation. Nicht nur in der Arbeitswelt, sondern auch im alltäglichen Leben hat die Telemediatisierung einen Einfluss. Neue Formen von Öffentlichkeit durch elektronische Kommunikationsforen beeinflussen die Medienwelt. Die kulturelle Revolution der Telemediartisierung hat positive wie auch negative Einflussnahme in der Gesellschaft.
  • Die politische, emanzipative Sicht: Das Ziel der Informationsgesellschaft sollte eine informierte Gesellschaft sein. Dies soll mit verschiedensten kommunikativen Diensten wie z.B Chat und Foren erreicht werden. Zudem sollten politische, administrative, ökonomische sowie auch wissenschaftlich-technische Handlungen informationell abgesichert und abrufbar sein.

Auch folgende Graphik zeigt die verschiedenen Zusammenhänge der Informationsgesellschaft mit wichtigen Bereichen in unserer Gesellschaft.

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Quelle: http://beat.doebe.li/bibliothek/w00452.html [Stand: 30.03.2008].

Man sieht, dass die Informationsgesellschaft aus unterschiedlichen Perspektiven gesehen und definiert werden kann. Die „Informatisierung“ hat einen Einfluss auf verschiedenste Bereiche unserer Gesellschaft.

Ich denke je nachdem, welche Sichtweise man analysiert, sich auch die Antwort auf die Frage „Was kommt nach der Informationsgesellschaft“ danach richten wird. Es kommt auch darauf an, in welchen Bereichen die „Informatisierung“ zukünftig den grössten Einfluss haben wird.

Weiteres Vorgehen

Eine wichtige Grundlage, um die zentrale Frage zu beantworten, was nach der Informationsgesellschaft kommen soll, sind die Studien des Kondratieffzyklus. Diese Thematik werde ich im nächsten Blog näher erläutern.

Nachdem ich bereits schon mit Visionen auseinadergesetzt habe, was nach der Informationsgesellschaft kommen könnte, ist es wichtig die Frage zu stellen: „Leben wir bereits in der Informationsgesellschaft?“

Zu diesem Thema habe ich diesen Artikel gelesen: „Ratzek, Wolfgang: Informationsutopien – Proaktive Zukunftsgestaltung (2004). In: Rainer Kuhlen / Thomas Seeger / Dietmar Strauch (Hrsg.): Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation, Bd. 1 (5. Aufl.), S. 115-124. München: Saur.

Sarah Zgraggen, die das Thema eInclusion behandelt, hat im Blogeintrag mit dem Titel „Informationsgesellschaft – eine Utopie?“ eine Zusammenfassung des Artikels geschrieben. Das Fazit von Ratzek ist, dass man nicht von einer Informationsgesellschaft sprechen kann, denn je nach Land und Region ist die Informationsgesellschaft unterschiedlich ausgeprägt.

Ein Beispiel dieser Ausprägung sieht man auf dieser Karte, welche die Welt nach Anzahl Computer pro 1000 Einwohner visualisiert.

anzahlcomputer.jpg

Weitere Beispiele, wie die Informationsgesellschaft nach verschiedenen Aspekten visualisiert werden kann, findet man unter dieser Adresse: http://www.bitnik.org/PeopleFirst/de_maps.html

Ich denke, um diese Frage nachzugehen, ob wir nun in der Informationsgesellschaft leben oder nicht, braucht es zunächst eine Definition vom Begriff „Informationsgesellschaft“.

  • Die Informationsgesellschaft ist die Wirtschafts- und Gesellschaftsform, welcher hauptsächlich auf der zunehmend interaktiven Gewinnung, Speicherung, Verarbeitung und Nutzung von Informationen und Wissen basiert und in welcher der produktive Umgang mit der Ressource Information eine herausragende Rolle spielen. Quelle: Kuhlen, Rainer / Seeger, Thomas / Strauch, Dietmar (Hrsg.) (2004): Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation, Bd. 2 (5. Aufl.): Glossar. München: Saur.
  • Die Informationsgesellschaft zeichnet sich dadurch aus, dass ein wesentlicher Teil des Lebens und Arbeitens daraus besteht, Information und Wissen zu gewinnen, zu speichern, zu verarbeiten, zu vermitteln und zu nutzen, wobei dies mit Hilfe von IKT geschieht. Quelle: BBT Bundesamt für Bildung und Technologie im Buch Digitale Spaltung in der Schweiz (2004).
  • Gesellschaften, die von Informations- und Kommunikationsnetzwerken abhängig sind und einen grossen Teil ihrer Ressourcen in die Informations- und Kommunikationsaktivitäten stecken, werden als Informationsgesellschaften bezeichnet. Quelle: Werner A. Meier in der Neue Zürcher Zeitung, 13.01.2001, S. 103.

An dieser Stelle möchte ich nochmals auf die Definition der Information zurückkommen, denn die Definition der „Informationsgesellschaft“ basiert auch auf die Definition von „Information“. Im letzten Blog habe ich die Definition nach Talbott vorgestellt. Jasmine kritisiert zu Recht diese Definition, da er Information extrem reduziert ansieht. Sie fragt sich, ob die analogen Informationen nicht auch als Informationen gelten. Dies sind solche die nicht maschinell verarbeitet werden. Ich denke man kann es damit erklären, dass in der Wirtschaft vor allem die Informationen, welche die vier Kriterien (zuverlässig übertragbar, mechanisch bearbeitbar, quantifizierbar und präzise definierbar) erfüllen, als wertvoller angesehen werden als z.B. analoge Informationen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass in der Informationsgesellschaft die Informationen und dessen Umgang als wirtschaftlicher Erfolgsfaktor gelten. Da die Länder und Regionen, in denen die Informationsgesellschaft ausgeprägter ist, mehr Macht haben in der globalen Welt, kann man meiner Meinung nach sagen, dass global gesehen die Informationsgesellschaft dominiert. Ja, wir leben in der Informationsgesellschaft!

Weiteres Vorgehen

Im nächsten Blog werde ich auf die von Jasmine vorgeschlagenen Sichtweisen zur Informationsgesellschaft eingehen, sowie verschiedene Aspekte der Informationsgesellschaft näher betrachten.

Die Informationsgesellschaft muss sich mit verschiedenen Problemen und Schwierigkeiten auseinandersetzen, wie z.B die Informationsflut, Digital Divide, Medienwirkung usw. Ich denke mit diesen Problemen richtig umzugehen, ist die Herausforderung von uns Menschen in der Informationsgesellschaft. Was geschieht jedoch, wenn diese Probleme nicht mehr im Mittelpunkt der Gesellschaft stehen? Welches Problem kann die Informationsgesellschaft nicht lösen, oder besser gesagt, welches Problem wird von der Informationsgesellschaft verursacht? Um diese Frage zu beantworten, möchte ich auf den Text von Steve Talbott eingehen (Bertelsmann, 2002, S. 274-305). Er hat ein interessanter Beitrag, als eine der 11 Antworten auf die Frage „Was kommt nach der Informationsgesellschaft?“ geschrieben.

Talbott definiert Information anhand von vier Kriterien:

  1. Information ist zuverlässig übertragbar: Informationen kann man sammeln, speichern, wiederabrufen.
  2. Information ist mechanisch bearbeitbar: anhand von Algorithmen können Informationen gefiltert, kombiniert, verändert und analysiert werden.
  3. Information ist quantifizierbar: Informationen haben eine quantitativen Wert (Bits).
  4. Information ist präzise definierbar: jedes Bit ist richtig oder falsch, gültig oder ungültig, aktuell oder veraltet.

Diese vier Kriterien, die er der Information zuschreibt, ergeben eine mechanische Exaktheit der Information. Er stellt daraus folgende These auf:

„Die mechanisch exakten Vorzüge der Information führen uns weg von Sinn und Bedeutung.“

Auch andere Autoren haben in ihren Antworten mehrmals darauf aufmerksam gemacht, dass sich die Menschen unserer Gesellschaft immer mehr über die Sinnhaftigkeit nachdenken.Dies würde bedeuten, dass wir nach der Informationsgesellschaft eine Gesellschaft wollen, welche uns mehr Sinn und Bedeutung im leben gibt.
Vielleicht lässt sich die Tendenz der 11 Antworten in Richtung Kreativität, Phantasie, Geschichten usw. damit begründen, dass wir auf der Suche sind nach mehr Bedeutung und Inhalt.

Talbott:

„Sich über Information zu erheben ist in etwa dasselbe, wie sich über die Maschine zu erheben. Dass wir die Welt zunehmend auf Information reduziert haben, war (in unserem Denken) zugleich eine Reduktion der Welt auf eine Maschine. Denn dazu wird die Welt, wenn wir sie ihrer Eigenschaften entkleiden und sie lediglich mit unzweideutigen, präzisen, mechanische erfassbaren Gedanken füllen.“

Ich finde die These von Talbott sehr interessant und zugleich provokativ. Er hat gute Argumente und kann diese gut begründen. Die vier Kriterien, mit denen er Information definiert, finde ich sehr einleuchtend. Seine Definition unterstützt die Sichtweise der Informatiker und ist ein Gegensatz zur Definition „Information“ aus der Sicht der HTW. Für mich persönlich macht seine Definition in diesem Zusammenhang Sinn und ist für mich nachvollziehbar.

Weiteres Vorgehen

In einem weiteren Blog werde ich der Frage nachgehen, ob wir uns in der Informationsgesellschaft befinden oder eher nicht.

Es war für mich sehr interessant Meinungen von verschiedenen Autoren (siehe Buch) zu lesen und mich damit auseinander zu setzen. Es ist eigentlich ein wenig deprimierend sich mit einem Thema zu befassen, bei dem man immer wieder auf Textpassagen stösst, in denen es heisst: Die Informationsgesellschaft kann man nicht eindeutig definieren und die Zukunft ist schwierig vorauszusagen. Auf der anderen Seite macht genau diese Unbestimmtheit das Thema so interessant!

Als ich das Buch angefangen habe zu lesen, hatte ich die Erwartung 11 konkrete und verschiedene Antworten auf die Frage zu erhalten. Dies war jedoch nicht wirklich der Fall. Ich habe jedoch, was noch viel interessanter ist als 11 verschiedene Antworten, einige Tendenzen zur Beantwortung der Frage feststellen können.

  • Häufig wurde erwähnt, dass nach der Informationsgesellschaft die Ideen und die Geschichten, sowie die Phantasie und Kreativität im Mittelpunkt unserer Gesellschaft stehen. Dies würde dann auch bedeuten, dass die Unternehmen Ideen, und Storys verkaufen würde und nicht mehr Produkte und Dienstleistungen.

Hierzu einige Zitate aus dem Buch (Bertelsmann Stiftung, 2002):

„In der Post-Informationsgesellschaft wird Phantasie zum wertvollsten Kapital werden.“ (S. 115)

„Die Helden der Traumgesellschaft werden die Geschichtenerzähler sein. Früher gewann auf dem Markt das beste Produkt, in diesem Jahrhundert wird die beste Geschichte gewinnen […] “ (S. 77)

  • Zweitens ist mir aufgefallen, dass die Tendenz in Richtung „Gesellschaft der Selbstorganisation (vgl. auch Wikinomiks) und Selbstbestimmung“ geht. Dabei spielt das Wechselspiel von Individuum und System eine zentrale Rolle. Die Meinung ist jedoch nicht die, dass wir zu egoistischen Einzelgängern werden, sondern uns zu kooperativen Individualisten bilden werden.

Hierzu einige Zitate aus dem Buch (Bertelsmann Stiftung, 2002):

„Wir stehen nicht am Ende unserer gesellschaftlichen Entwicklung. Der nächste Organisator ist gefragt: das Individuum. Oder besser gesagt: eine von unten nach oben ausgerichtete Gesellschaft der Individuen.“ (S. 224)

„In der Selbstorganisationsgesellschaft entfällt zunehmend die direkte staatliche Kontrolle. Dies gibt uns das Gefühl der Freiheit. Jedoch treten – ganz im Sinne der Synergetik – Sachzwänge an die Stelle jener direkten Kontrolle. Wir leben – ob wir es wahrhaben wollen oder nicht – in der Illusion der Freiheit.“ (S. 169)

Beim Lesen dieser Antworten ist mir besonders aufgefallen, dass sehr wenig über Globalisierung und technische Entwicklungen gesprochen wurde. Ich hätte in diesem Gebiet viel mehr erwartet. Ich denke auch, dass wenn ich die Allgemeinheit die Frage: „Was kommt nach der Informationsgesellschaft?“ stellen würde, die Antworten viel mehr in Richtung Science Fiction gehen würde.
Ich habe eine interessante Seite gefunden auf der literarische Kurzgeschichten zum Thema
Visionen zur Zukunft der Informationsgesellschaft erzählt werden.

Weiteres Vorgehen:

Das Buch über die 11 Antworten war ein sehr guter Einstieg, um die Dimension des Themas festzustellen. Nun werde ich mich mit Problemen der Informationsgesellschaft auseinadersetzen.

„Was kommt nach der Informationsgesellschaft?“ Mit dieser Frage und die dazugehörigen Aspekte werde ich mich auseinandersetzen. Weiter werde ich mich mit dem Thema „10 Jahre nach der Strategie des Bundesrats zur Informationsgesellschaft Schweiz“ beschäftigen, da meine Tandem-Partnerin Jasmine Milz dieses Thema bearbeitet.

Bevor ich mit konkreten Recherchen anfange, habe ich mich überlegt wie ich die Arbeit zu meinem Thema am besten gliedern könnte, damit ich einen besseren Überblick über mein Thema habe. Ich bin auf folgendes Resultat gekommen:

1. Die Informationsgesellschaft:

In diesem Teil geht es in erster Linie darum zu erklären und herauszufinden was eine Informationsgesellschaft ausmacht. Folgende Fragen sind beispielsweise in diesem Zusammenhang von Wichtigkeit.

  • Was ist unter dem Begriff „Informationsgesellschaft“ zu verstehen? Welche Aspekte formen unsere Gesellschaft zu einer Informationsgesellschaft?
  • Wie hat sich unsere Gesellschaft zur Informationsgesellschaft entwickelt?
  • Was ist die Positive Seite bzw. die negative Seite der Informationsgesellschaft?

2. Antworten auf die Frage „Was kommt nach der Informationsgesellschaft?“ von verschiedenen Autoren:

Im zweiten Teil werde ich Antworten auf die Frage analysieren. Dabei werde ich vor allem das Buch „Was kommt nach der Informationsgesellschaft? 11 Antworten. Hrsg. v. d. Bertelsmann Stiftung (2002)“ verwenden.

3. Meine Antwort

Zuletzt werde ich natürlich auch versuchen meine eigene Antwort auf die Frage zu finden. Die Erkenntnisse aus Teil I und die Inspiration aus Teil II sind die Grundlage um meine Meinung zu dem Thema zu bilden. Mir scheint es wichtig zu erkennen, welche Bedürfnisse die Menschen haben. Welche werden von der Informationsgesellschaft befriedigt und welche nicht? Wie muss sich unsere Gesellschaft weiterentwickeln, um die Bedürfnisse zu stillen, welche momentan in der Informationsgesellschaft nicht gestillt werden?

Weiteres Vorgehen:

Als erstes werde ich mich mit den 11 Antworten auseinandersetzen. Da ich neugierig bin wie sich die Autoren die Zukunft vorstellen. Diese Antworten geben mir dann auch einen Überblick wie ich mit der Arbeit weiterfahren kann.